Filmkritik: "Carlos - Der Schakal" im 330 Minuten Directors Cut
von Frl.Frost am Sep.10, 2011, unter Blog, Kino, Neu auf DVD / Blu-ray
"Carlos - Der Schakal" flackert in dem Directors Cut satte 330 Minuten ünber den Bildschirm. Und sie sind auch definitiv nötig, um dem Zuschauer begreiflich zu machen, wer Carlos war und was er der Welt angetan hat. In dichten und unglaublich spannenden Bildern können wir seine ganze Karriere verfolgen. Als kleines Licht, dann als internationaler Terrorist, mit schon paranoiden Zügen, bis zum tiefen Fall. Der Film fesselt schon allein wegen seines seines charismatischen Hauptdarstellers Edgar Ramirez, der dem narzistisch-egomanischen Charakter Leben verleiht und ihn beim Aufstieg wie Verfall ein überzeugendes Gesicht verleiht.
Die Nebenrollen sind ebenfalls exzellent besetzt und gerade Nora von Waldstätten liefert als Carlos Lebensgefährtin Magdalena Kopp eine faszinierende Leistung! Und was mir sehr positiv auffiel ist die Distanz und Neutralität, mit der dieser Film daherkommt: Niemals wird Partei ergriffen. Schonungslos werden Carlos Taten und das Leid, dass sie herbeiführen gezeigt, doch der mahnende Zeigefinger bleibt in der Hosentasche. Sehr schön!
Also rauf auf die Couch mit viel Cola und Knabberzeug. Es lohnt sich! Wie mein Mann bemerkte: „Also, Terroristen haben dauernd Sex, saufen Johnny Walker und rauchen in einer Tour. Und ab und zu bringen sie Leute um. Nicht schlecht!“ Daher auch was für einen netten Pärchenabend.
Inhalt:
1975 gehen dramatische Bilder um die ganze Welt: Der Terrorist Carlos und seine Kumpanen überfallen das Wiener OPC- Hauptquartier und und entkommen mit Dutzenden von hochrangigen Geiseln per Flugzeug nach Algier. Durch diesen beispiellosen Terroranschlag wird die breite Öffentlichkeit nun endlich auf diesen einen Mann aufmerksam: Ilich Ramírez Sánchez, genannt Carlos der Schakal. Nie wieder gab es einen so skrupellosen und gewaltbereiten Terroristen und internationalen Söldner wie ihn. Auf sein Konto gingen etliche Attentate und er stand in den Diensten zahlreicher Organisationen rund um den Globus. Aus dem ursprünglich von idealistischen Motiven getriebenen, selbsternannten Revolutionär wurde schnell ein terroristischer Söldner, der schließlich sogar seine eigene Terrororganisation gründete.
Seine “Karriere“ begann der 1949 in Caracas geborene Ilich Ramírez Sánchez in einem Lager der "Volksfront zur Befreiung Palästinas" (PFLP). Für sie führte er auch seinen ersten Anschlag im Jahre 1973 durch. Dabei versuchte er den jüdischen Geschäftsmann Joseph Seiff zu töten. Der Anschlag misslang, doch Carlos übernahm die Verantwortung vor der Öffentlichkeit. Der Anfang war gemacht. Auch einen weiteren Anschlag auf ein Pariser Restaurant nahm er auf seine Kappe, bei dem zwei Menschen starben und 30 verletzt wurden.
Am 13. und 17. Januar 1975 nahm er an zwei gescheiterten Panzerfaust-Anschlägen auf El-Al-Flugzeuge auf dem Pariser Flughafen Orly teil. Dann im Dezember 1975 der Überfall auf die OPEC, der ihn in Windeseile an die Spitze des internationalen Terrorismus katapultierte. 1976 gründete er seine eigene Organisation „Organization of the Armed Arab Struggle – Arm of the Arab Revolution“ (OAAS). Zu seinen Kunden zählten neben der DDR auch der rumänische Geheimdienst und die gesammte Arabische Welt.
Doch im Laufe der Jahre wurde die Luft für Carlos immer dünner: Sein playboyhaftes Leben erzürnte die fundamentalistischen Moslems immer mehr und auf deren Druck wiesen ihn immer mehr Länder aus oder verweigerten ihm einfach den Unterschlupf. Die französischen und US-amerikanischen Geheimdienste machten den sudanesischen Behörden mehrere Angebote für seine Auslieferung und am 14. August 1994 wurde er an französische Agenten übergeben, die ihn nach Paris überstellten. Am 23. Dezember 1997 wurde Carlos zu lebenslanger Haft verurteilt und befindet sich zurzeit in einer Haftanstalt bei Troyes.



