Werner Herzog: Kommunikation leidet unter technischer Entwicklung

Werner Herzog - MOCA Gala 'The Artist's Museum Happening'Werner Herzog sieht die aktuelle technische Entwicklung kritisch. Der Regisseur, der in den 70er-Jahrne mit Filmen wie "Aguirre, der Zorn Gottes" bekannt und später mit "Fitzcarraldo" und "Bad Lieutnant" international gefeiert wurde, hat auf dem prestigeträchtigen amerikanischen Film-Festival "Sundance" seinen neuen Film "Lo and Behold" vorgestellt. In der Dokumentation befasst er sich mit den aktuellen technologischen Entwicklungen, denen der gebürtige Bayer persönlich ambivalent gegenübersteht. Im Interview mit der "New Republic" beschwerte Werner Herzog sich: "Ich benutze kein Handy, weil ich nicht ständig erreichbar sein möchte. Für manche Dinge kann es nützlich sein, doch ich geben Ihnen ein Beispiel: Ich war bei Freunden zum Essen eingeladen. Deren Teenager-Tochter saß mit uns am Tisch und hat nach fünf Minuten ihren Kopf gesenkt und unter dem Tisch zu texten angefangen. Für die nächsten anderthalb Stunden war sie nicht mehr da. Physisch war sie da, aber sie hat die ganze Zeit getextet. Das ist eine Seite der Entwicklung, die wir erleben. Das ist bereits passiert. Ich möchte nicht mit Menschen essen, die zur selben Zeit twittern - so einfach ist das."

Durch den Massen-Gebrauch der Technologie würden die Menschen immer einsamer - und dümmer, so der 73-Jährige: "Es klingt wie ein Paradox, aber je verfügbarer wir mit dem Internet und Smartphones wurden, desto einsamer sind wir geworden. Die Renaissance, nicht mehr ständig verknüpft zu sein und stattdessen in Stille zu leben, könnte gewisse Dinge wieder aufleben lassen: sich selber verstehen, intensives Lesen - nicht nur Tweets zu lesen, sondern antike Dramen, Tolstoi, einen 850 Seiten-Roman. Ohne diese Fähigkeit werden wir niemals auch nur den Hauch einer Ahnung haben, worum es in der Welt geht. Ich habe das Motto: Die, die lesen, erhalten einen Zugang zu der Welt. Die, die zuviel Zeit im Internet verbringen, verlieren ihn."

Foto: (c) Hubert Boesl via BANG Showbiz