Filmkritik: Chatroom mit Aaron Johnson und Brett Beardslee

Wie visualisiere ich das Internet? Wie zum Beispiel einen Chat mit seinen ganzen einzelnen Räumen? Ein schäbiger Flur mit lauter Türen, die von ihm abgehen. Im Flur halten sich jede Menge völlig verschiedene Menschen auf: Punks, brave Hausfrauen, SM-Begeisterte, Kinder, Fraks und Banker. Alle unterhalten sich angeregt und immer wieder streifen sie durch den Flur und gehen in ein Zimmer, wenn ihnen die Schrift an der Tür gefällt. „Hot and wet“, „Meet me in London“ oder „Sweet Dreams“. Jeder findet etwas nach seinem Geschmack. Und so verschieden wie die Namen sind auch die Räume eingerichtet. Eine einfache wie gelungene Darstellung, finde ich. Gerade für Internet- Legastheniker wie mich!

Der Schauplatz wechselt permanent zwischen den farbenfrohen Chaträumen und dem grauen London, und immer wieder werden Communitysequenzen abrupt abgebrochen, weil einer der Jugendlichen seinen Laptop ausschaltet. Oder sein Handy. Das Thema der Kommunikation zieht sich als roter Faden durch den ganzen Film. Und kommunizieren fällt allen Protagonisten im realen Leben unendlich schwer. Da ist Moe, der sich in die 12jährige Schwester seines besten Freundes verliebt hat und fürchterlich darunter leidet, aufgrund dessen vielleicht pädophil zu sein. Die schüchterne Emily, die von ihren Eltern zu einer perfekten kleinen Dame gedrillt wird aber einfach nur elterliche Liebe will. Eva, das wunderschöne Nachwuchsmodel, die immer mehr von der Oberflächlichkeit und der Bosheit ihrer Freunde angewidert ist. Und Jim. Er nimmt seit seiner Kindheit Antidepressiva, ohne die er nicht in der „normalen“ Welt leben könnte. Sie alle versammeln sich bei „Chelsea Teens“ und hören dem vermeintlichen Freund William zu, der sie auffordert Mauern und Konventionen zu durchbrechen.

Schnell erkennt William das schwächste Glied in der Gruppe: Jim. Er soll sterben, damit Williams Schmerzen weniger werden.

Aaron Johnson, der sein Debüt in „KikAss“ gab, ist in diesem Film die perfekte Besetzung. Seine Darstellung des völlig kaputten Wohlstand-Kids, dass doch alles hat und so unendlich leer ist, ist todtraurig!

aaron johnson chatroom_Bild Foto: (c) Universum Film

Inhalt:

Der 17-jährige William hasst seinen ältern Bruder, dem seine Mutter sogar eine erfolgreiche Kinderbuchreihe gewidmet hat. Schon mehrmals versuchte er sich umzubringen, doch nun versucht er, seinen Hass auf eine andere Person zu projizieren. Er eröffnet im World Wide Web ein Forum für Teenager aus seiner Heimatstadt und gründet den Chatroom „Chelsea Teens!“. Schon bald begrüßt er die ersten Gäste in seiner virtuellen Selbsthilfegruppe: Eva, Jim, Emily und Mo, die alle vier ihre Sorgen im trüben Londoner Alltag in sich hineinfressen und sich alleingelassen fühlen, fassen in der Onlinewelt den Mut, sich über ihre Ängste und Probleme auszutauschen. Sie alle ahnen nicht, dass der scheinbar so freundliche und interessierte William ein verdammt übles Spiel mit ihnen treibt und es darauf anlegt, seine Gesprächspartner zum Suizid zu verleiten. Systematisch macht er die Schwachpunkte der Jugendlichen aus, um sein düsteres Vorhaben in die Tat umzusetzen. Seine Wahl fällt ihm nicht schwer….

Leider haben die anderen Darsteller neben Aaaron Johnson keine Chance, länger als ein paar Stunden im Gedächtnis zu bleiben. Zu stereotyp schaffen sie es einfach nicht, mehr als nur Schatten zu werde. Aber trotzdem ein guter Film, den ich mir mit Freude angesehen habe. Fazit: Anschauen! Der lohnt sich.

Titel: Chatroom
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2010
Länge: 93 (Min.)
Verleih: Universum Film

Regie: Hideo Nakata
Drehbuch: Enda Walsh
Kamera: Benoît Delhomme
Schnitt: Masahiro Hirakubo
Musik: Kenji Kawai
Hauptdarsteller: Aaron Johnson, Brett Beardslee, Imogen Poots, Hannah Murray, Daniel Kaluuya

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