„Free Rainer – Dein Fernseher lügt“: Moritz Bleibtreu in guter Satire

Es ist eine gelunge Mediensatire – In seinem Film „Free Rainer – Dein Fernseher lügt“ (am 20.08.2011 um 20:15 Uhr als Free-TV-Premiere bei VOX) schickt der deutsche Star-Regisseur Hans Weingartner („Die fetten Jahre sind vorbei“) Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu auf eine atemlose Jagd durch die deutsche Fernsehlandschaft – und spielt mit der Idee: Wie würde sich das Fernsehen verändern, wenn man Einschaltquoten beliebig manipulieren könnte? Keine schlechte Idee für einen Film, auch wenn das Publikum sich an die Hilflosigkeit gegenüber Medienmachern offenbar gewöhnt hat.

Inhalt:
Der erfolgreiche Fernsehproduzent Rainer (Moritz Bleibtreu) lebt auf der Überholspur. Beim TV-Sender TTS sorgen seine Formate wie „Hol dir das Superbaby!“ für Topquoten, er hat eine schöne Freundin (Simone Hanselmann) und hält sich mit Drogen bei Laune. Doch wirklich glücklich macht ihn der ganze Erfolg nicht. Im Gegenteil: Der Quotenkönig rastet regelmäßig aus und riskiert bei Irrfahrten in seinem Luxusauto – eine Flasche Wodka in der einen und eine Knarre in der anderen Hand – nicht nur sein eigenes Leben. Eines Nachts rast die hübsche Pegah (Elsa Schulz Gambard) scheinbar absichtlich in Rainers Jaguar. Beide landen im Krankenhaus. Hier verfolgen Rainer Alpträume, in denen er die Hauptrolle in seinen eigenen TV-Sendungen spielt – eine Qual, wie er schnell merkt. Zurück bei Bewusstsein sucht er im Krankenhaus nach der Unfallverursacherin, doch die schöne Unbekannte ist schon verschwunden. Das Einzige, was Rainer von Pegah findet, ist ein Zeitungsausschnitt. Jetzt wird ihm einiges klar. Pegah wollte ihn tatsächlich umbringen. Ihr Großvater wurde durch falsche Anschuldigungen in einer von Rainer produzierten Sendung in den Selbstmord getrieben. Erschüttert und gleichzeitig voller Tatendrang will Rainer sich und das Fernsehen befreien: Durch manipulierte Einschaltquoten versucht er, die Fernsehlandschaft zu revolutionieren – mit weitreichenden Folgen…

Durch die Unterstützung von Pegah (Elsa Schulz Gambard), schafft es Rainer (Moritz Bleibtreu) sich von seiner Kokainsucht zu befreien und das Leben zu genießen. Foto: VOX / Amélie Losier / KG

Im Interview mit „kinowelt“ spricht Moritz Bleibtreu über die schlagzeilenträchtige Satire, erklärt seine ungewöhnliche Rolle und gibt Einblicke in die Zusammenarbeit mit Star-Regisseur Hans Weingartner:

Herr Bleibtreu, würden Sie die Fernsehquoten manipulieren wollen, wenn Sie es könnten?

Der Gedanke ist schon reizvoll, aber für mich wäre das Ganze zu extrem. Zumal ich ja auch selbst Teil der Medienlandschaft bin. Meine Vorgehensweise ist es eher, einen Film darüber zu machen, darüber zu sprechen und die Leute so zu bewegen, nachzudenken.

Wie sehen Sie die Figur des Rainer?

Das ist eine Figur, die im ersten Drittel des Films, also am Anfang, mehr oder weniger an sich selbst scheitert. Tief drinnen im Innern seines Selbst weiß er wahrscheinlich genau, dass alles, was er macht, Scheiße ist. Aber er redet sich die Dinge schön. Er rechtfertigt alles, was er macht. Er macht sich platt mit allen Ablenkungsmanövern, die das Leben so bereithält: sprich Drogen, Frauen, Alkohol. Aber eigentlich ist er an einem Punkt des Lebens angekommen, wo er gar nichts mehr in Frage stellt, weder sich selbst noch die Dinge, die er tut. Über den Unfall, einen Zufall, fängt er zum ersten Mal in seinem Leben an, sich über sich selbst und dann auch über andere Gedanken zu machen. Er macht eine ganz extreme Wendung und beginnt, sich für viele Dinge zu interessieren, die ihm vorher gänzlich egal waren.

Regisseur Hans Weingartner hat mit seinen Darstellern Brainstorming-Sitzungen zum Drehbuch abgehalten. Welche Einfälle stammen von Ihnen?

Das kann ich nicht sagen. Als Schauspieler bin ich Teil einer Kette, und ich bin auch nur so gut wie die Kette. Ich freue mich einfach, wenn mich ein Regisseur wie Hans auffordert, sich einzubringen – andere Filmemacher wollen das gar nicht. Aber was von mir kommt, spielt dabei keine Rolle. Es geht nur darum: Ist es geil oder nicht geil?

Unterschied sich die Arbeit mit Hans Weingartner von der mit Fatih Akin, Tom Tykwer oder Steven Spielberg?

Die Herangehensweisen der Regisseure sind verschieden, weil die Personen verschieden sind. Aber die Arbeit vor der Kamera ist im Grunde immer die gleiche. Allerdings gab es bei Hans Weingartner eine neue Erfahrung für mich. Denn ich hatte noch nie auf HD gedreht, und das bietet Möglichkeiten, die du mit 35 mm nicht hast. Auf einer Kassette haben 45 Minuten Platz, du brauchst ein Minimum an Licht, und du kannst daher ganz schnell aus der Hüfte drehen. Und das kommt der Arbeitsweise von Hans sehr entgegen. Er ist jemand, der immer weitermacht: „Hier können wir noch was filmen, und da geht noch was, und lass uns das drehen.“ Auf diese Weise bist du versucht, alles Mögliche auszuprobieren, weil es eben nicht zwei Stunden dauert, eine Szene einzurichten, sondern zehn Minuten. Und da werden die Tage lang.