Filmkritik: „Brighton Rock“ mit Helen Mirren und Sam Riley

Wer die Romanvorlage von Graham Greene kennt, wird schnell erkennen, dass die Handlung stark gekürzt ist und es eigentlich nur um die Beziehung zwischen Pinkie und Rose geht. Alles andere ist nur Staffage und nicht mehr. Doch genau darum geht es hier auch. Pinkie, der völlig soziopathische Kleinganove und die naive und lebenshungrige Rose. Sam Riley gibt hier alles und er ist verdammt gut. Selbstzerstörerisch, wütend, bösartig und völlig amoralisch. Eine wunderbare Szene, wenn er sich darüber beschwert, dass Killer ihn töten wollen: „Nicht mal Zeit zu beten hat man!“

In der jungen Andrea Riseborough hat er seine perfekte Partnerin gefunden. Sie spielt Rose mit beunruhigender Intensität. Wir sehen eine junge Frau, die alles dafür gibt, mit Pinkie zusammen zu sein. Der Preis ist ihr egal. Am Anfang versucht er sie mit Schmerzen einzuschüchtern. Dazu nimmt er das empfindliche Fleisch zwischen Zeigefinger und Daumen und quetscht es brutal zusammen. Rose lächelt nur und sagt: „Du kannst gerne weitermachen, wenn du willst.“ Dieser Satz ist bezeichnend für ihre Beziehung.

Doch auch die beiden Großen sind dabei: Helen Mirren und John Hurt. Beide haben eher begleitende Rollen, aber trotzdem wunderbar. Mirren als Ida, die Besitzerin eines kleinen Lokals, die Rache für einen ermordeten Freund will. Doch die Dame hat auch eine Vergangenheit. Nur zart angedeutet, aber vorhanden. Ihr guter Freund Phil der Buchmacher wird gespielt von John Hurt. Er liebt seine Ida und fürchtet den irren Pinkie. Doch er bleibt an ihrer Seite.

Mein absoluter Star ist definitiv Andy Serkins. Er spielt den Gangsterboss Colleoni. Großartig, wie er mit einem einzigen Satz Pinkie abkanzelt: „Pinkie Brown ist nur wie jedes andere wütende Kind.“ Die gesamte Ausstattung des Film ist wunderschön. Der ganze verrottende Charme von Brighton Beach wird hier in kraftvollen Bildern eingefangen. Regisseur Rowan Joffe versetzt die Handlung vom eigentlichen 1938 ins Jahr 1966 und somit mitten in die „Brighton Riots“, als sich Mods und Rocker Wochenendgefechte lieferten und Jugendrevolten England aufschreckten. Stellvertretend für das wütende Aufbegehren der Jugend Englands kann man den Weg von Pinkie sehen. Und beide enden gleich: In Gewalt und Kummer.

Pinkie (Sam Riley) und Rose (Andrea Riseborough)

Inhalt:
Der beschauliche englische Badeort Brighton lockt in den 1960ern Jung und Alt ans Meer zur Sommerfrische, für das seichte Vergnügen und ein paar Pferdewetten. Doch hinter der sonnigen Urlaubsfassade brodelt es! Brighton ist für den ansässigen Mob eine wahre Goldgrube, um die man kämpft. Zur not auch bis auf den Tod. Als der Chef einer eher unbedeutenden kleinen Gang, Kite ,von den Männern der verfeindeten Colleoni-Bande ermordet wird, sieht der junge skrupellose Kleinganove Pinkie seine Chance gekommen, seinen Mentor zu beerben und auch blutige Rache zu nehmen. Er will das nützliche mit dem angenehmen verbinden. Als erstes schafft er Kites vermeintlichen Mörder Fred aus dem Weg. Eine Tat mit sehr schweren Folgen, denn Colleoni ist nicht gewillt sich das Geschäft in Brighton in die Hand von Pinkie gehen zu lassen.

Das ist nicht das einzige Problem des jungen Gangsters: Es gibt eine Zeugin! Als die unbedarfte Kellnerin Rose zufällig an belastende Beweise kommt, lässt Pinkie sich mit ihr ein, um zu erfahren, wie viel sie weiß. Schnell erkennt Pinkie, dass er hier eine ihm völlig ergebene Frau vor sich hat. Rose scheint nur auf ihn gewartet zu haben. Schon bald wird es sehr gefährlich in Brighton, als die Jugend Englands aufgeteilt in die „Mods“ mit ihren Motorrollern und Parkas und die „Rockers“ mit ihren Motorrädern und Lederjacken auf der Straße aufeinanderprallen.

Nun spitzt sich auch für Pinkie die Lage bedrohlich zu, denn Colleoni will seinen Kopf. Und nicht genug: Roses Chefin Ida Arnold, eine Freundin von Fred, ist ihm dicht auf den Fersen und kurz davor in zu entlarven. Alles strebt einem dramatischen Ende entgegen.

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Fazit:
Anschauen! Und wenn ihr schon gerade mal dabei seit, schaut euch „Quadrophenia“ mal an. Zusätzlich zu “Brighton Rock“ könnt ihr sehen, wie und warum sich die Aufstände der Jugendlichen in England entwickelten und was es mit den Mods und den Rockern auf sich hat. Die Musik ist auch klasse. Auch den Klassiker von Graham Greene kann ich nur empfehlen. Unbedingt lesen!