40 Jahre „Spider Murphy Gang“: „Fühlten uns dem Punk näher als dem Schlager“

Die bayerische Kultband „Spider Murphy Gang“ feiert dieses Jahr ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum. Berühmt wurde die Truppe vor allem durch das Lied „Skandal im Sperrbezirk“, der löste einen handfesten Skandal aus und wurde erst mal nicht im Radio gespielt. Woher kam eigentlich die Idee zu dem Song?

Günther Sigl, Bassist, Sänger und Songschreiber der “Spider Murphy Gang“, erzählte im „Spiegel“-Interview: „Wir fuhren zu einem Gig, als im Radio der Schlager ‚Skandal um Rosi‘ von Erik Silvester lief. Die Zeile ging mir nicht aus dem Ohr. Zu Hause griff ich sofort nach der Gitarre, das Lied entstand in einer Nacht. Zum Thema Skandal fielen mir die Sperrbezirke ein, die in München zur Olympiade 1972 eingeführt wurden, die Stadt sollte sauber sein. Die Gegend um den Hauptbahnhof war das Schmuddelviertel, mit Stripbars, Animierkneipen, Peepshows und Puffs. Als die ‚Säuberung‘ angeordnet wurde, gingen die Dirnen auf die Barrikaden. Sie stellten sich splitternackt in ihre Fenster mit Spruchbändern: ‚Wir lassen uns nicht vertreiben.‘ Brachte natürlich nix. Käuflicher Sex wurde aus dem Stadtgebiet in die Außenbezirke verlegt. Ich dachte: ‚Aha, Bier saufen bis zur Besinnungslosigkeit ist in München in Ordnung – aber käufliche Liebe, das geht nicht. Das ist Doppelmoral.‘ Am Ende der Nummer schreie ich im Nina-Hagen-Stil hysterisch: ‚Skandaaal! Skandaaal!‘ Wir haben uns dem Punk immer näher gefühlt als dem Schlager.“

Alle Hintergrundinfos zur „Spider Murphy Gang“ gibt es jetzt übrigens in einem neuen Buch.