„Rammstein“-Keyboarder Christian Lorenz und sein Leben im Osten

Rammstein 30346063-1 bigChristian Lorenz ist seit 1994 Keyboarder in der international erfolgreichsten deutschen Band: „Rammstein“. Der Musiker ist zwar in Ost-Berlin geboren und aufgewachsen, 1990 aber wurde aus ihm ein Westler. Ob er stolz auf seine Biografie ist? Dazu sagte der 51-Jährige im Interview mit „tagesspiegel.de“: „Nö. Fürs Aufwachsen musste ich ja nicht mehr tun als atmen und essen. Ich kann nur sagen, dass es für mich eine unglaublich schöne Zeit war.“

Außerdem verriet er, dass er früher keine Sehnsucht nach dem Westen hatte. Er sagte: „Der war so weit entfernt, dass der uns gar nicht wie eine echte Welt erschien. Ich weiß, ich kann nicht zum Mond fliegen, also interessiert‘s mich auch nicht. Erst als ich mitbekam, dass Leute dahin abgehauen sind, wurde mir klar, dass es ein echtes Land da drüben gibt. Dann war’s wie ein kleines Hintertürchen: Wenn irgendwas im Osten richtig schiefgeht, hau ich auch dahin ab. Wie so ein Paradies: Da gibt es eine Welt, wo das Gras wirklich grün ist und wo sie im Mercedes rumfahren und nicht im Trabbi.“

Außerdem erklärte er noch, wieso er die DDR einst als Spielzeugland bezeichnet hat. Er sagte: „Und da werde ich als Ostalgiker beschimpft, weil ich die Dinge so verharmlose. Für Leute, die sich offen gegen das DDR-System gestellt haben und in den Knast kamen, war das bestimmt kein Spielzeugland. Ich meine damit eher, dass in diesem Land Sachen passierten, die für den Lauf der Welt völlig egal waren, eben wie ein Spiel. Wir haben es mit ganz kleinen Tricks geschafft, ein wunderbares Leben zu führen und das System weitgehend zu ignorieren. Wir haben uns freundlich und unauffällig bewegt und so eine Freiheit genossen, die es im Westen schon aus wirtschaftlichen Gründen gar nicht gibt.“

Foto: (c) Universal Music