Bildsprache und Stilelemente: Typische und bewährte Gestaltungsmittel im Film

Clint Eastwood - 2014 Los Angeles Film Festival Jeder Film ist ein Unikat und erzählt in Bild und Ton eine Geschichte neu aus einer individuellen Perspektive. Kameraeinstellungen, Beleuchtung, Darsteller, Soundtrack und vieles mehr tragen dazu bei, eine besondere Stimmung zu kreieren und im Film Atmosphäre zu schaffen. Bestimmte Tricks und Einstellungen funktionieren dabei besonders gut und werden immer wieder genutzt und variiert. Die bekanntesten Kniffe aus Hollywood haben wir hier zusammengetragen.

1. Der Mexican Standoff
Der Begriff beschreibt das Szenario einer Konfrontation, bei der drei (manchmal mehr) Protagonisten sich mit Waffen reihum aufeinander gerichteten Waffen gegenüberstehen. Für den Zuschauer ist in dieser Szene völlig unklar, wie sie ausgehen wird, denn sie beschreibt visuell eine klassische Pattsituation, was im Film besonders viel Spannung erzeugt.

Die erste Mainstream-Umsetzung war in „Zwei glorreiche Halunken“ mit dem mittlerweile 90-jährigen Clint Eastwood von 1966 zu sehen. Vor allem Starregisseur Quentin Tarantino liebt den Mexican Stand-off, setzte ihn in gleich mehreren Filmen ein, zuletzt „Once upon a Time in Hollywood“ mit Leonardo DiCaprio und Brad Pitt. Dieser erzählerische Kniff wird uns sicher noch häufig begegnen – denn das Ende muss nicht in Gewalt enden, sondern kann auch friedlich beigelegt werden, weil alle erkennen, dass keiner gewinnen kann.

2. Der Rauch einer Zigarette
Rauchen mag ungesund sein, dennoch ist es in tausenden Filmen ein gern genutztes Stilmittel. Und das nicht nur, weil früher mehr geraucht wurde. Einige Beispiele:

• Der Rauch wirkt wie ein Schleier, der die dahinterstehende Person mysteriöser wirken lässt.
• Der Rauch kann als Ausdruck der Ablehnung eingesetzt werden, wenn er ins Gesicht gepustet wird – enorm prägnant im Klassiker „Die Reifeprüfung“ mit Dustin Hoffman.
• Was im echten Leben funktioniert, ist auch im Film und für die Story hilfreich: Beim Fragen nach einer Zigarette oder nach Feuer können sich unkompliziert fremde Personen kennenlernen.
• Mit einer Zigarette kann eine plötzliche (meist actionreiche) Handlung in Gang gesetzt werden, etwa, indem damit etwas in Brand gesetzt wird.

Eine Zigarette ist somit als visuelles Stilmittel und als Hilfsmittel für die Story vielseitig einsetzbar. Auf diese Bandbreite von Möglichkeiten wollen Filmemacher nicht unbedingt verzichten. Vielleicht wird dies künftig seltener in Form der Zigarette geschehen, denn immerhin ist das Dampfen längst auch bei Stars salonfähig geworden; Katy Perry tut es ebenso wie Leonardo DiCaprio oder Johnny Depp. Ganz gleich ob nun mit E- oder klassischer Zigarette: das „Rauchen“ als Handlung ist vielfältig verwendbar und auch kaum durch Alternativen zu ersetzen.

Jennifer Lawrence - "Mother!" UK Premiere - Arrivals 3. Der radikale Haarschnitt
Das gesamte Intro von „Full Metal Jacket“ befasst sich mit diesem erzählerischen Kniff. Genauso wurde es von Jennifer Lawrence in „Joy“ eingesetzt und als Britney Spears sich abseits der Filmkamera 2007 im wahren Leben von ihren langen Haaren trennte, war die Welt geschockt. Der Grund, warum der radikale Haarschnitt in einer Story so oft herangezogen wird, ist simpel: Die Handlung verdeutlicht optisch bestens einen meist tiefgreifenden Wandel. Das Alte wird buchstäblich abgeschnitten. Häufig geht damit auch eine neue Einstellung des Protagonisten einher – etwa, dass er von nun an entschlossener agiert. Häufig sind es Frauen, die Schere oder gar Trimmer ansetzen, hier wirkt der „Schnitt“ oft noch eindrucksvoller, wenn die Haare zunächst lang waren.

Tom Hanks - 25th Annual Simply Shakespeare Benefit 4. Die Deus ex machina
Dieser Begriff stammt aus einer Zeit, als der Film noch nicht erfunden war. Bereits in der Antike hatte der „Gott aus der Maschine“ auf der Theaterbühne eine wichtige stilistische Funktion, die sich seitdem nicht änderte: Eine durch den Protagonisten ausweglose Situation wird plötzlich und für den Zuschauer unerwartet durch eine Art „höhere Macht“ gelöst. Diese darf man sich nur im übertragenen Sinn als göttlich vorstellen, in den meisten Filmen ist sie überaus irdisch.

Der Kniff hat allerdings einen negativen Beigeschmack, denn er wird immer wieder angewandt, wenn das Skript Schwächen aufweist und ein Konfliktszenario im Film nicht mehr auf andere Weise gelöst werden kann. Plötzlich auftauchende – vielleicht sogar totgeglaubte Personen oder andere Absurditäten treten dann als rettende Figur auf. Bei „Der Soldat James Ryan“ mit Tom Hanks endete sogar der komplette Schlusskampf plötzlich und unerwartet mit einer machina.

Der Story gibt dies meist eine völlig neue Wendung und wird trotz des schlechten Rufs immer wieder in Filmen eingesetzt – übrigens auch abseits von Action-Hollywood.

5. Die romantische Reihenfolge
Eigentlich handelt es sich hierbei weniger um ein einzelnes Stilmittel als die fixe Handlung von sehr vielen romantischen Filmen, ganz besonders Komödien:

1. die Protagonisten treffen sich
2. sie passen zunächst nicht zusammen
3. sie stellen fest, dass sie es doch tun
4. Liebe und Romantik
5. ein Problem tritt auf, die Beziehung bekommt einen Knick
6. sie sind todtraurig
7. das Problem wird gelöst
8. Liebe und Romantik

Nach diesem Erfolgsrezept funktionieren unzählige Filmromanzen. Selbst „Isn’t it romantic“ der 2019 erschien und in dem Rebel Wilson eigentlich viele Liebesfilmklischees aufs Korn nimmt, arbeitet nach einem vergleichbaren Muster – und natürlich tun es die größten Liebesfilme zwischen „Dirty Dancing“ und „Pretty Woman“ ebenfalls. Der Grund: Angenehm viele spannende Wendungen, die den Film interessanter machen.

1. Foto: (c) Izumi Hasegawa / PR Photos
2. Foto: (c) Landmark / PR Photos
3. Foto: (c) Guillermo Proano / PR Photos

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