„plan b“ im ZDF über Lösungen für weniger Plastikmüll

"plan b" im ZDF über Lösungen für weniger PlastikmüllPlastikflaschen, in Plastik verpackte Lebensmittel, Speisenlieferung in Plastik: Pro Kopf entstehen in Deutschland pro Jahr durchschnittlich 38 Kilogramm Verpackungsmüll aus Plastik – und die Coronakrise verschärft derzeit den Trend zu mehr Kunststoffmüll. Von diesen Abfällen werden nicht mal 20 Prozent recycelt. Rund zwei Drittel werden verbrannt, der Rest ins Ausland exportiert. Doch es gibt verschiedene Ideen, der Plastikflut etwas entgegenzusetzen. In „Plastik ade – Wege aus dem Kunststoff-Wahnsinn“ berichtet „plan b“ am Samstag, 10. April 2021, 17.35 Uhr im ZDF, über neue Lösungen. Der Film von Jochen Klöck steht bereits in der ZDFmediathek zur Verfügung.

In der Schweiz hat Marketing-Expertin Jeannette Morath acht Jahre lang an ihrer Lösung getüftelt: Mehrweg- statt Einwegverpackungen für Take-away-Speisen. reCIRCLE heißt das erste überregionale Mehrwegsystem für Lieferdienste. Mehr als 1200 Restaurants sind bereits auf ihre Behälter umgestiegen. Von Stuttgart aus will Thorben Bechtholdt deutsche Liefer-Restaurants von den Vorzügen des Pfandgeschirrs überzeugen: Für zehn Euro Pfand können Kunden die Schüsseln bei allen teilnehmenden Restaurant zurückgeben oder eintauschen. Die reCIRCLE-Boxen bestehen aus recycelbarem Plastik und weisen schon nach 20-mal Spülen eine bessere Ökobilanz auf als ein Einwegbehälter.

Ein Hamburger Start-up hat dem „wilden Plastik“ den Kampf angesagt. Dieses entsteht, wenn Kunststoffmüll nicht ordentlich entsorgt wird, sondern einfach in der Natur herumliegt. In Ländern ohne funktionierende Müllentsorgung, wie Indien oder Haiti, arbeitet das Unternehmen mit Initiativen zusammen, die solche Plastikabfälle einsammeln. Per Container wird dieser Müll nach Europa verschifft, bei Spezialfirmen gereinigt und zu Granulat geschmolzen. Daraus macht Wildplastic in Deutschland sogenannte WildBags – Mülltüten, gefertigt aus wildem Plastikmüll. Sie sind recycelbar und haben trotz des aufwendigen Verfahrens einen geringeren CO2-Fußabdruck als Beutel aus Neu-Plastik.

In Börnsen bei Hamburg geht ein Industriedesigner-Team das Problem von einer anderen Seite an: Katja und Sven Seevers wollen zusammen mit Hannes Füting das größte Problem von Plastik beseitigen: Es zerfällt nicht und belastet dauerhaft die Umwelt. Auf der Suche nach einer Alternative stießen die drei auf ein Rezept aus der Vergangenheit. Schon im 19. Jahrhundert wurde der Kunststoff Zelluloid aus dem pflanzlichen Stoff Zellulose hergestellt. Auf dieser Grundlage entwickelten sie eine erdölfreie und deshalb kompostierbare Folienverpackung namens Repaq. Damit lassen sich Salate, Käsestücke und Schokoriegel ein- und mit gutem Gewissen auch wieder auspacken, sofern man einen Komposthaufen zur Verfügung hat. Und selbst wenn die Verpackung doch in der Verbrennungsanlage landet, verbrennt sie immerhin schadstofffrei und CO2-neutral.

Foto: (c) ZDF / Jochen Klöck